Das ÖKG und medizinische Ethik
Das Österreichische Grüne Kreuz ist eine Vereinigung namhafter österreichischer
Wissenschafter für Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung. Wenn Sie auf
unserer Homepage im Internet lesen, finden Sie einen Begriff besonders betont:
Die Eigenverantwortung. Unsere Vorstellung ist, die Bevölkerung so aufzuklären,
dass jeder Einzelne für seine Gesundheit selbst die richtige Entscheidung trifft
und die richtigen Maßnahmen setzt, um sich nicht zu schaden, sondern um seine
Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Frühere Zeiten, aber auch autoritäre
Staaten in unserer Zeit haben gezeigt, dass die Bevölkerung zu
Gesundheitsmaßnahmen gezwungen werden kann, wodurch gewisse Erfolge erzielt
werden konnten. Früher haben Kirche und Staat vorgegeben, was getan werden soll
und was sich gehört. Die Gesellschaft aber hat sich im 20. Jahrhundert völlig
gewandelt. Autoritäten sind abgebröckelt oder zerfallen, auf hoher Ebene wie
Kirche und Staat genauso wie die Hierarchien in Betrieben und Kliniken. Die
Demokratie hat zur Freiheit des Einzelnen geführt, ein großartiges Geschenk, das
allerdings, wie schon Dostojewski geschrieben hat, auch ein Danaergeschenk sein
kann. Denn: Freiheit kann nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen den
nächsten, auch gegen die ganze Menschheit gerichtet sein und zerstören. Trotzdem
aber sind autoritäre, doktrinäre Verhaltensweisen auf Dauer unhaltbar. Daher
dürfen Führungspersönlichkeiten ihre Meinung nicht autoritär behaupten, sondern
müssen sie argumentativ vertreten. Bei Impfempfehlungen lässt sich das noch
relativ einfach realisieren, ungemein schwierig aber ist es in der
High-tech-Medizin. Wo auch immer, nicht nur die Laien brauchen Empfehlungen,
auch die Fachleute und Forscher brauchen Orientierungspunkte, die ihnen
rechtzeitig den Weg finden helfen. Nur mit interdisziplinärer Hilfe, mit Hilfe
aller, kann man im Sinne des „respice finem“ den richtigen Weg finden.
Aus all dem Gesagten ergibt sich, dass eine elitäre Vereinigung für
Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung mit besonderem Schwerpunkt der
Forschung sich nicht nur mit der Aufklärung von Laien begnügen darf, sondern
auch dafür Sorge tragen muss, dass sie nicht nur die Bevölkerung zur
Eigenverantwortung aufruft, sondern sich auch der eigenen Verantwortung
vollkommen bewusst ist. Dafür bedarf es keiner Anweisung, sondern gemeinsam
erarbeiteter Orientierungsrichtlinien.
Im Unterschied zu
Fortbildungsveranstaltungen sind die Ethik-Symposien somit nicht für die
docendi, sondern für die docentes gedacht.
Univ.-Prof. DDr. Ernst G.
Huber