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Österreichische Liga für Präventivmedizin – ÖLPM

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit
 
 
   

Meningokokken-Infektionen sind lebensbedrohlich !

Die gramnegativen Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind die Erreger invasiver Meningokokken-Infektionen
Sie verursachen:

  • Meningitis (Letalität: 1%)
  • Kombination aus Meningitis und Sepsis (Letalität 5-10%)
  • Fulminante Sepsis (Letalität: über 25%)

Auch bei bis dahin völlig gesunden Menschen kann der fulminante Verlauf innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Nur ein rechtzeitiges Erkennen der Symptome und eine sofort einsetzende Intensivbehandlung können das Leben retten. Bei 10-20 Prozent der an Meningokokken Erkrankten kommt es trotzdem zu lebenslangen Folgeschäden (Amputationen, Hörverlust, Lähmungen).


Wer ist gefährdet?

Jeder kann an Meningokokken erkranken.

Altersverteilung der Meningkokokken-Erkrankungen:

  • 50 % Säuglinge und Kleinkinder
  • 20 % Jugendliche
  • 30 % alle anderen Altersstufen

Säuglinge erkranken häufiger wegen ihrer noch schwachen Immunkraft, Jugendliche haben eine höhere Ansteckungsgefahr durch enge soziale Kontakte (Disco-Besuche, Partys, ...). 2010 waren 4 von 5 der Erkrankten unter 25 Jahre alt.

Auch in Gemeinschaftseinrichtungen (Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, Jugendherbergen, Studentenheimen, Kasernen, Ferienlager, Sprachferien, ...) ist durch den engen Kontakt das Infektionsrisiko erhöht.

Wie werden Meningokokken übertragen?
Etwa 10 % der Menschen tragen Meningokokken im Nasen-Rachenraum, ohne daran zu erkranken oder davon zu wissen. Sie können andere Menschen durch „Tröpfcheninfektion“ (z.B. durch Husten, Küssen oder den gemeinsamen Gebrauch von Gläsern, Anschreien - etwa in der Disco) infizieren. Die Rate dieser passiven Träger ist mit über 30% bei Jugendlichen am höchsten. Mehr als jeder dritte Jugendliche kann somit die Erreger weiter geben. Ein besonders hohes Risiko, selbst an einer Meningokokken-Infektion zu erkranken, haben Kontaktpersonen von Erkrankten.

Ansteckungsgefahr besteht grundsätzlich jederzeit und überall. In Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, Jugendherbergen, Studentenheimen, Kasernen, Ferienlager, Sprachferien) ist – ebenso wie bei Party- und Disko-Besuchen – durch den engen Kontakt das Infektionsrisiko erhöht (siehe Erlass des Schulärztlichen Dienstes: „Meningokokken-Impfung bei Auslandsaufenthalten von SchülerInnen (Sprachferien, Schüleraustauschprogramme)“.

Erkrankte sind bis zu 24 Stunden nach Beginn einer antibakteriellen Therapie als infektiös zu betrachten. Die innerhalb desselben Haushaltes bzw. in Zimmergemeinschaften oder Heimen lebenden Kontaktpersonen haben ein bis zu tausendfach höheres Risiko zu erkranken und müssen daher sofort antibiotisch abgeschirmt werden.

Meningokokken in Österreich und Europa...
Die Meningokokken-Erkrankungen in Europa nehmen zu. In Österreich werden jährlich 80 bis 100 Fälle registriert. Das sind 1-2 Infektionen pro Woche. Laut Jahresbericht der Nationalen Meningokokken-Referenzzentrale der AGES wurden im letzten Jahr 80 Erkrankungs- und davon 10 Todesfälle registriert. Die Sterblichkeit war im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht und langfristig betrachtet ist sie sogar deutlich gestiegen.

Insgesamt gibt es 12 unterschiedliche Gruppen von Meningokokken (sog. Serogruppen). 5 davon – die Serogruppen A, B, C, W und Y – sind für den Menschen (lebens-)gefährlich. In Europa sind fast ausschließlich Meningokokken der Serogruppen B und C für die Erkrankungen verantwortlich. 2010 gab es in Österreich 58,8% B- und 31,3% C-Infektionen. Meningokokken B-Infektionen sind damit zwar häufiger, Meningokokken C-Infektionen jedoch gefährlicher, weil sie häufiger einen tödlichen Verlauf nehmen.  Auch in beliebten Reiseländern der Österreicher hat es in den letzten Jahren Ausbrüche von Meningokokken-Erkrankungen gegeben.

Länder mit hohem Anteil an Meningokokken C-Erkrankungen sind Großbritannien, Irland, Benelux-Länder, Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Malta, Island; ebenso unsere Nachbarländer Tschechische und Slowakische Republik, Ungarn, Schweiz, Süddeutschland.

In Großbritannien konnten die hohen Fallzahlen durch konsequente Impfprogramme mit Konjugat-Impfstoffen stark zurückgedrängt werden. Die britischen Gesundheitsbehörden legen daher umso mehr Wert darauf, dass bei Schüleraustauschen die Einreisenden geimpft sind, um eine neuerliche Einschleppung zu verhindern.

In Norwegen, England und den baltischen Staaten hat die Serogruppe Y stark zugenommen. In Schweden entwickelten sich in den letzten 5 Jahren Y-Meningokokken sogar zur am häufigsten vorkommenden Serogruppe. Auch in Österreich gab es 2010 4 Y-Erkrankte, 2 von ihnen (13 und 22 Jahre alt) starben.


... Afrika, Asien & USA

In Afrika dominiert die Serogruppe A und zunehmend W. In Asien sind A und C die wichtigsten Serogruppen. In den USA verursachen die Serogruppen B, C und Y den größten Anteil der Meningokokken-Erkrankungen.

Ein weiteres Phänomen ist die weltweite Verbreitung der Meningokokken-Gruppe W, die durch Mekka-Pilger in ihre Heimatländer eingeschleppt wird. Seit 2000 ist für die Einreise von Hajj-Pilgern nach Saudi-Arabien eine ACWY-Impfung verpflichtend.

Die Verteilung der Serogruppen ist geografisch unterschiedlich und sie kann sich über die Zeit ändern. Wann und wo solche Veränderungen auftreten, ist jedoch nicht vorhersehbar. Eine reisemedizinische Beratung ist jedenfalls zu empfehlen.



Weltweite Verbreitung von Meningokokken-Serogruppen


Hinweise zur Früherkennung von Meningokokken-Erkrankungen
So wichtig eine frühzeitige Diagnose wäre, so schwierig ist sie, da die Anfangssymptome einer Grippe ähneln und somit nicht spezifisch sind. Vor allem für medizinische Laien sind sie nicht von einem grippalen Infekt zu unterscheiden. Charakteristisch sind: hohes Fieber, sehr starke Kopfschmerzen, stark gestörter Allgemeinzustand. Bald darauf kommen: Nackensteifigkeit, Bewusstseinstrübung, Krämpfe und HAUTBLUTUNGEN! Wichtige diagnostische Hinweise liefert der „Glastest“: Die Flecken auf der Haut lassen sich durch Druck mit einem Glas nicht wegdrücken.



Glastest: Man drückt ein Wasserglas fest auf die Haut des Kindes und beobachtet, ob die Hautflecken verschwinden. Bleiben sie bestehen, ist das in Kombination mit Fieber ein sehr starker Hinweis auf eine Meningokokken-Infektion.

Der Krankheitszustand kann sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlimmern und zum Tod führen.

Wie kann man sich schützen?
Bei Auftreten der oben geschilderten Symptome ist die sofortige Einlieferung in eine Intensivstation lebensrettend. Leider gilt das noch für viele Fälle, so lange man gegen die Bakterien der Serogruppe B nicht impfen kann. Für den ersten B-Impfstoff wurde die EU-Zulassung allerdings schon beantragt.

Gegen Meningokokken stehen 2 Klassen von Impfstoffen zur Verfügung:

1.) Konjugat-Impfstoffe
: Gut verträglicher und lang anhaltender Schutz vor einer Meningokokken-Erkrankung der Gruppe C. Dieser kann bereits ab dem 3. Lebensmonat gegeben werden und bringt Personen jeden Alters einen lang anhaltenden Impfschutz. Seit April 2010 ist der erste europaweit zugelassene Vierfach-Konjugatimpfstoff (A,C,W,Y) verfügbar (ab 11 Jahre). 1 Impfung ist ausreichend.

Bei Konjugat-Impfstoffen ist das Antigen an ein Trägerprotein gebunden („konjugiert“). Durch diese moderne Technologie wird das Antigen vom Immunsystem deutlich besser erkannt. Das Ergebnis ist eine stärkere Immunreaktion mit einem lang anhaltenden Schutz und der Aufbau eines immunologischen Langzeitgedächtnisses. Der Impfschutz kann aufgefrischt werden und das passive Trägertum sanieren. Bei hoher Impfrate in der Bevölkerung kann letzteres zum sog. Herdenschutz führen, d.h. dass dann auch Ungeimpfte geschützt sind, weil sie nicht mehr von Trägern umgeben sind. In anderen Worten: Geimpfte sind keine Keimträger, denn der Konjugat-Impfstoff schützt nicht nur die geimpfte Person vor einer Erkrankung, sondern verhindert auch die Ansiedlung von Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum. Die Bakterien werden nicht weiter verbreitet und die Ansteckungsgefahr sinkt.

2.) Polysaccharid-Impfstoffe: Impfstoffe der älteren Generation. Schutz vor Meningokokken der Serogruppe A, C, W-135, Y. Bei Reisen nach Afrika und Asien. Maximale Schutzdauer 3-5 Jahre. Impfung frühestens nach Vollendung des 2. Lebensjahres möglich. Polysaccharid-Impfstoffe führen bei wiederholter Impfung zu einer Abnahme der Immunantwort (sog. Hyporesponsiveness). Im Gegensatz zu den Konjugat-Impfstoffen können sie die Ansiedlung der Bakterien Nasen-Rachen-Raum nicht verhindern, Geimpfte bleiben passive Keimträger und können weiterhin andere anstecken.

Laut der Impfempfehlung des Obersten Sanitätsrates (OSR) soll jede Erstimpfung gegen Meningokokken mit einem Konjugat-Impfstoff erfolgen. Ab 11 Jahren ist nur noch ein ACWY-Impfstoff empfohlen. Damit ist ein bestmöglicher Schutz für das In- und Ausland gegeben.

 

Konjugat-Impfstoff

- Antigen (Polysaccharid) an Trägerprotein gebunden
- lange Schutzdauer
- 90 - 98 % Schutz
- Schutz auch bei Kindern unter 2 Lj
- Immunantwort: hohe Antikörpertiter,
- Aktivierung von T-Abwehrzellen
- Immunologisches Langzeitgedächtnis
- Booster (Auffrischung) möglich
- keine Immuntoleranz

Polysaccharid Impfstoffe

- nur Antigen (Polysaccharid)
- Schutzdauer max. 3 - 5 Jahre
- 60 - 70 % Schutz
- kein Schutz bei Kindern unter 2 Lj.
- Immunantwort: niedrigere Antikörpertiter,
- keine Aktivierung von T-Abwehrzellen
- kein immunologisches Langzeitgedächtnis
- Booster nicht möglich
- Immuntoleranz (Hyporesponsiveness)


Wer soll geimpft werden?
- Jeder, der sich oder sein(e) Kind(er) schützen möchte
- Jugendliche bei Eintritt in eine Gemeinschaftswohneinrichtung (Internat, Studentenwohnheim, Kaserne u.ä.)
- Jugendliche bei Auslandsaufenthalten: Sprachferien, Schüler-Austauschprogramme, etc. (Schul-Erlass)
- Exponiertes Personal (Labor, Intensivstation, Pädiatrie etc.)
- Gesundheitlich gefährdete Personen (Immundefekt, ...)
- REISEIMPFUNG bei Reisen in Endemiegebiete.
- Bei Reisen in Länder mit hoher Meningokokken-Inzidenz Konjugat-Impfstoff ACWY

Empfehlung des OSR www.bmg.gv.at
Impfplan auch unter www.oegk.at/oegk/index.php/oesterreichischer-impfplan.html

Aktuelle Meningokokken-Impfaktionen

Bis zum 30. September 2011 sind die Konjugat-Impfstoffe gegen

  • Meningokokken C (ab einem Alter von 2 Monaten) sowie 
  • ACWY (für Jugendliche ab 11 Jahren und Erwachsene)

zum Aktionspreis erhältlich. Während einer Impfaktion beträgt das ärztliche Impfhonorar max. 12 € (Empfehlung der Österreichischen Ärztekammer).

Schulimpfung im Burgenland

Österreichischer Vorreiter dieser Vorsorgemaßnahme ist das Burgenland, wo die neue Empfehlung einer ACWY-Konjugatimpfung (ab 11 Jahren) im Rahmen einer Schulimpfaktion umgesetzt wurde. Obwohl es die österreichweite Impfaktion für alle Meningokokken-Impfstoffe gibt, wird die Jugendimpfung vom schulmedizinischen Dienst im Landesschulrat und der Landessanitätsdirektion auch direkt in den Schulen zum Vorzugspreis angeboten.

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MEC = Meningokokken-Impfstoff konjugiert C, MEC4 = Meningokokken-Impfstoff konjugiert vierfach ACWY



 

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