Vaskuläre Demenz, nach Alzheimer die zweithäufigste Form von Demenz, kann möglicherweise schon bald bereits vor dem ersten Auftreten von Symptomen diagnostiziert und im Krankheitsverlauf gebremst werden. Darauf weist eine aktuelle internationale Studie hin. Forscher konnten nachweisen, dass bestimmte Veränderungen der sogenannten „Weißen Masse“ in den Tiefenregionen des Gehirns mit einem deutlich erhöhten Risiko verbunden sind, innerhalb der nächsten drei Jahre an vaskulärer Demenz zu erkranken.
Beeinträchtige Vernetzung
Vaskuläre Demenz entsteht im Gegensatz zu Alzheimer durch krankhafte Veränderungen der Blutgefäße als Folge von Bluthochdruck, Diabetes, hohen Blutfettwerten oder Rauchen. Während die Alzheimer-Erkrankung vor allem das Gedächtnis beeinträchtigt, erzeugt vaskuläre Demenz Anomalien der sogenannten exekutiven Gehirnfunktionen. Diese ist für die Vernetzung vieler Gehirnregionen nötig und wird von uns in zahlreichen komplexen Situationen benötigt – zum Beispiel, wenn wir das Preis-/Leistungsverhältnis eines Angebots beurteilen und angemessene Entscheidungen treffen sollen.
Die Leukaraiose – darunter versteht man bestimmte symmetrische Veränderungen der Weißen Masse – tritt ab dem 60. Lebensjahr immer häufiger auf und kann mit Demenz assoziiert sein. Die neuen Studienergebnisse zeigen nun, dass nicht allein der Schweregrad der Leukoaraiose, sondern auch der genaue Ort ihres Auftretens entscheidet, ob man an vaskulärer Demenz erkrankt, oder nicht. Mit hochauflösenden Magnetresonanzbildern (MRI) kann Leuoaraiose sichtbar gemacht und ein hohes Risiko, an vaskulärer Demenz zu erkranken, festgemacht werden.
Dass dies tatsächlich funktioniert, zeigte sich an den 639 Probanden der Studie im Alter von 65 bis 84 Jahren. Sie alle hatten zu Studienbeginn keine Demenzerkrankung und wurden über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig untersucht. 90 der Probanden entwickelten in dieser Zeitspanne unterschiedliche Formen von Demenz, vor allem vaskuläre Demenz, Morbus Alzheimer und eine Mischform davon. Dabei zeigte sich, dass Menschen, bei denen die Weiße Masse zu Beginn der Studie in den tiefen Gehirnregionen verändert war, signifikant häufiger eine vaskuläre Demenz entwickelten.
Hoffnung auf Früherkennung und neue Präventionsstrategien
Auf dieser Erkenntnis kann künftig aufgebaut werden, indem man etwa Menschen mit Leukoaraiose in tiefen Gehirnregionen durch eine frühzeitige Behandlung der Grunderkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes zu einer besseren Prognose verhilft. Evtl. kann der Ausbruch vaskulärer Demenz ganz verhindert werden. Wie dies genau gelingen kann, werden jetzt weitere Studien untersuchen.