HÖRSTÖRUNGEN
Häufigkeit von Hörstörungen
Die Häufigkeit von Hörstörungen wird vielfach
unterschätzt, da diese Störungen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht
offensichtlich sind. Immerhin sind ca. 20% der Bevölkerung davon betroffen.
Hörstörungen treten in allen Altersstufen auch bereits beim Neugeborenen auf,
der Prozentsatz der Betroffenen steigt allerdings deutlich ab einem Alter von
50-60 Jahren an.
Lokalisation von Hörstörungen
Hörstörungen können
durch pathologische Veränderungen im Bereich von Gehörgang, Mittelohr, Innenohr
(Schnecke /Cochlea) und Hörnerv bedingt sein, in seltenen Fällen auch durch
Veränderungen der zentralen Hörbahn (Abbildung).
Die wesentliche
Funktion von äußerem Ohr und Mittelohr ist die Zufuhr bzw. Übertragung von
Schall in das Innenohr. Pathologische Veränderungen von äußerem Gehörgang und
Mittelohr führen daher zu einer Verschlechterung der Schallübertragung - die
Betroffenen hören je nach Ausmaß der Schädigung alles leiser.
Wesentlich
vielfältiger ist die Funktion der Schnecke; hier werden die Schallsignale
zeitgerecht in elektrische Signale des Hörnerven übersetzt. Die Auswirkungen von
Schäden in der Cochlea auf das Hören sind daher vielfältig: das Ausmaß der
Hörschädigung kann von geringgradig bis zur Taubheit stark variieren, die
einzelnen Frequenzbereiche können vollkommen unterschiedlich betroffen sein -
Hörgeschädigte hören z.B. Sprache, da sie die lauten, tieffrequenten Vokale
hören, verstehen jedoch nicht, da sie die leisen, hochfrequenten Konsonanten
nicht wahrnehmen.
Ursachen von Hörstörungen
Hörschäden durch
pathologische Veränderungen im äußeren Ohr sind relativ selten. Am häufigsten
ist die Verlegung des Gehörganges durch Cerumen (Cerumen obturans); weiters
Fremdkörper im Gehörgang, Mißbildungen und entzündliche Veränderungen. Häufiger
sind Hörschäden durch pathologische Veränderungen im Mittelohr, bei Kindern sind
hier insbesondere die entzündlichen Mittelohrerkrankungen mit Paukenerguß
anzutreffen.
Der Großteil der Hörschäden ist durch Veränderungen in der
Cochlea bedingt, die nicht nur zu Hörverlust, sondern auch zu Tinnitus
(Ohrgeräuschen) führen können. Eine der häufigsten Ursachen für Hörschäden in
der Cochlea ist die Einwirkung von Lärm. Diese Schäden sind überwiegend
bleibend!
Auswirkungen von Hörstörungen
Eine Hörstörung bedeutet nicht
nur weniger zu hören, sondern betrifft die Gesamtpersönlichkeit. Dadurch, daß
die Betroffenen nicht hören und nicht richtig verstehen, werden sie häufig
mißtrauisch, ängstlich und ziehen sich zurück, wodurch sie vermehrt in die
Isolation geraten.
Von besonderer Bedeutung ist die Auswirkung von
frühkindlichen Hörstörungen auf die Gesamtentwicklung des Kindes. Frühkindliche
Hörschäden beeinträchtigen nicht nur die Hör-Sprachentwicklung, sondern auch die
soziale und emotionale sowie die kognitive Entwicklung des Kindes und haben
Auswirkungen auf die Interaktion der Familie.
Diagnose von
Hörstörungen
Hörstörung einschließlich Tinnitus ist grundsätzlich nur ein
Symptom und erfordert deshalb eine genaue Abklärung. Ziel der Diagnostik ist
es:
* die zugrunde liegende Pathologie zu erheben bzw. alternative
pathologische Veränderungen aus zu schließen,
* festzustellen, ob eine
Therapie notwendig bzw. möglich ist
* die therapeutischen Maßnahmen
auswählen.
Therapie.
Primär ist die Behebung der zugrunde liegenden
Erkrankung mittels kausaler Therapie anzustreben. Gelingt damit keine
ausreichende Hörverbesserung, ist eine entsprechende prothetische Versorgung -
meist mit Hörgeräten, in Ausnahmefällen mit Cochlear Implantaten -
erforderlich.
Prophylaxe
1. Vermeidung der Hörschäden:
* Die
wirkungsvollste Maßnahme zur Verhütung von Hörschäden ist Vermeidung von Lärm in
jedem Alter!
* Extrem lauten Schall meiden (z.B. lautes Kinderspielzeug am
Ohr des Kindes, Schießlärm usw.)
* Bei lautem Schall die Grenzwerte von
Intensität und Einwirkungsdauer einhalten (z.B. Aufenthaltsdauer in Diskothek,
Open Airs, Lärmarbeit usw.)
* Tragen von persönlichem Gehörschutz bei
Lärmarbeit in Beruf und Freizeit.
2. Vermeiden der
Folgeschäden:
* Frühzeitiges Erkennen der Hörschäden
* Setzen von
(Re)habilitationsmaßnahmen
Sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter
können die Folgeschäden durch frühzeitiges Erkennen und Einsetzen entsprechender
(Re)habilitationsmaßnahmen einschließlich prothetischer Versorgung minimiert
werden.
Fazit
* Hörstörungen sind Symptom verschiedenster
Erkrankungen
* Nichterkennen der zugrunde liegenden Erkrankung kann
schwerwiegende gesundheitliche Schäden zur Folge haben.
* Hörschäden können
in jedem Alter auftreten
* Nicht erkannte Hörstörungen bei Säuglingen und
Kleinkindern können fatale Auswirkungen auf ihre allgemeine Entwicklung
haben.
* Verhütung durch Hörschäden ist möglich und sollte konsequent
angestrebt werden.
Hörstörungen müssen nicht sein, durch entsprechende
Prophylaxe können sie oft verhindert werden!
Frühzeitiges Erkennen der
Hörschäden verhindert spätere Probleme!
Adresse:
a.o. Univ.Prof. Dr.
Kunigunde Welzl-Müller, Ass.Prof. Dr. Doris Nekahm
Klinische Abteilung für
Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
Anichstr. 35
A-6020 Innsbruck
Tel:
0512-504-3220, Fax: 0512-504-3219
email:
Kunigunde.Welzl-Mueller@uibk.ac.at
Doris.Nekahm@uibk.ac.at