Mundhygiene, Zahnpflege
Ein zu häufiges, aggressives Zähneputzen kann das Auftreten von
nicht-kariesbedingten Zahnschäden, z. B. in Form von Abrasionen oder Erosionen,
begünstigen. Deshalb empfiehlt die American Dental Association (ADA) lediglich
eine zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen bis mittelharten
Zahnbürste.
Laut einer Umfrage bei niedergelassenen Zahnärzten glaubt der
Großteil der Bevölkerung, je länger und fester die Zähen geputzt würden, umso
besser stünde es um die Mundhygiene.
Veraltete Ratschläge und Behauptungen,
die in unseren Regionen noch weit verbreitet sind (z. B. „nach jedem Essen
Zähneputzen nicht vergessen“) sind in diesen Empfehlungen nicht zu finden. Wenn
also diese Empfehlungen modifiziert worden sind, so soll das nicht heißen, dass
das Zähneputzen nicht mehr so wichtig sei. Im Gegenteil:
Eine richtige
und regelmäßige Mundhygiene ist das A und O für gesunde Zähne bis ins hohe
Lebensalter!
Zur regelmäßigen und effektiven Entfernung krankmachender
Zahnbeläge gibt es verschiedene Hilfsmittel:
• Zahnbürsten (elektrische,
Handzahnbürsten)
• Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume (z.B.
Bürstchen, Zahnseide)
Auch unter Experten ist die "richtige Mundhygiene"
umstritten. Derzeit herrscht diese Auffassung vor: Man nehme eine Zahnbürste mit
gerundeten, nicht zu harten Kunststoffborsten und eine Zahncreme ohne
"Weißmacher", aber mit Fluoridzusatz. Diese verteile man in sanften
Kreisbewegungen auf den Zähnen. Dann spucke man aus, unterlasse jedoch ein
gründliches Spülen, damit die Fluoride nachwirken können. Ergänzend ist
Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen vor dem eigentlichen Zähneputzen sehr
zu empfehlen, da von diesen Stellen aus viele Zahnfleischerkrankungen ihren
Ursprung nehmen und dieser Bereich besonders kariesanfällig ist. Dieser Vorgang
sollte zweimal am Tag für jeweils 2-3 (je nach Technik und Effektivität) Minuten
erfolgen.
Es gibt verschiedene Zahnputztechniken beim Gebrauch der
Handzahnbürste (z.B. nach Bass, Stillmann oder Charters), welche sich im
Ansetzen der Zahnbürste und in ihrer Bewegungsrichtung unterscheiden. . Damit
alle Zahnbezirke gut gereinigt werden, sollte stets nach einem gleichen Schema
vorgegangen werden. Darüber sollten Sie Ihren Zahnarzt befragen, der Ihnen beim
Erlernen der richtigen Technik behilflich sein kann.
Da diese Techniken
relativ schwer zu erlernen und auf Dauer richtig auszuüben sind, wird heute
vermehrt der Gebrauch von elektrischen Zahnbürsten empfohlen.
Zahnbürsten
Handzahnbürsten sollten folgende Merkmale haben:
• Sie
sollten einen kurzen Kopf mit weichen Borsten und mit einem geraden, kleinen
Borstenfeld haben, um so auch schwer zugängliche Ecken und Winkel zu erreichen.
• Kaufen Sie nicht nach dem Motto "viel Bürste für mein Geld"! Denn gerade
unzugängliche Stellen im Mund (Zahninnenseiten der Unterkiefer-Frontzähne und
die hinteren Backenzähne) werden mit großen Borstenköpfen nur unzulänglich
gereinigt.
• Verwenden Sie Borsten nur aus Kunststoff und mit abgerundeten
Enden, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen. Naturborsten haben scharfe Kanten,
sind von innen hohl und somit Bakterienträger!
• Beim Anpressdruck auf die
Zähne ist weniger mehr; er sollte nur gering sein (~ 150 g; probieren Sie diese
Kraft an einer Küchenwaage aus, sie werden sich wundern, wie wenig dies ist!).
Ein zu hoher Druck lässt die Büschel verbiegen - dann fehlt die
Reinigungswirkung; und freiliegende Zahnhälse werden arg in Mitleidenschaft
gezogen und weisen dann die schmerzhaften keilförmigen Defekte auf.
• Bei
Nichtgebrauch sollte die Bürste in einem Becher/Glas mit dem Kopf nach oben
aufbewahrt werden. Vorher ein paar Mal am Beckenrand aufschlagen, um
überflüssige Feuchtigkeit zu entfernen.
• 6mal im Jahr - also alle zwei
Monate! - sollte die Bürste spätestens gewechselt werden. Verbrauchte Borsten
sind an ihren Enden abgebogen, was bedeutet, dass sie nicht mehr reinigen und
zusätzlich noch das Zahnfleisch verletzen.
• Babys und Kleinkinder können
mit den normalen Zahnbürsten wenig anfangen, da sie zu groß und unhandlich sind.
Für Kinder und Jugendliche gibt es eine Vielzahl von speziellen Bürsten auf dem
Markt, für welche ebenfalls die gleichen Kriterien wie bei den Erwachsenen
gelten sollten - Babys erfahren bei ihren ersten Zahnputzversuchen mit einem
modifizierten Beißring spielerisch „Zahnhygiene“ (als "Baby's erste Zahnbürste"
auf dem Markt).
Elektrische Zahnbürsten
• Zahlreiche
Untersuchungen zeigen eindeutig die Überlegenheit von elektrischen Bürsten
(besonders die Schallzahnbürsten) gegenüber den Handzahnbürsten. Auf dem
Verkaufsmarkt haben die Elektrischen seit der Jahrhundertwende die
Handzahnbürsten überholt. Durch verschieden-farbige Aufsteckbürsten kann ein
Grundmodell für die ganze Familie benutzt werden.
• Elektrische Bürsten
nehmen dem Anweder automatisch viele der Bewegungen hinsichtlich einer richtigen
Technik ab. Spezielle Anpresskontroller bei den neueren Modellen sorgen auch
noch dafür, dass Zähne und Zahnfleisch nicht überstrapaziert werden.
Gerade
bei Kindern und Jugendlichen wird auch noch der Spieltrieb unterstütz, was
außerordentlich zur Motivation beiträgt.
• Unbefriedigend sind bisher die
Folgekosten: Ähnlich den Nachfüllkosten für eine Tintenstrahl-Drucker-Patrone
sehen die meisten Hersteller bei den Ersatzborstenköpfen eine lukrative
Nebeneinnahme - Preise über 5,- Euro sind nur unter einer ausgeprägt
gewinnorientierten Firmenpolitik zu verstehen - vom Herstellungspreis sind sie
nicht gerechtfertigt.
Akku-Bürsten machen sich rasch gegenüber rein
Batterie-betriebenen bezahlt - zusätzlich wird die Umwelt
geschont!
Ultraschallbürsten
Zunehmend tauchen auf dem
Markt Hightech-Bürsten - sog. Schallzahnbürsten - auf: Hier schwingt der
Borstenkopf mit 30.000 - 40.000 Bewegungen/Minute etwa 10 mal schneller als bei
einer normalen elektrischen Zahnbürsten; zusätzlich werden noch 8.800
Seitwärtsbewegungen in der Minute ausgeführt. Derartig hohe Schwingungen haben
neben der Reinigungswirkung auch noch positive Effekte auf das Zahnfleisch,
indem sie durch "Zellaktivierung" den Ionenaustausch der Wirkstoffe fördern.
Auch soll der Zahnpastenschaum durch die hohen Schwingungen besser in
unzugängliche Stellen - z.B. die Zahnzwischenräume - eindringen können.
Als
weitere Effekte werden
• die deutliche Reduktion von Bakterien, Plaque und
Zahnfleischentzündungen bei regelmäßigem Gebrauch und
• die ausgezeichnete
Beseitigung von Verfärbungen durch Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Kaffee,
Nikotin, Rotwein, Tee) bei geringer Abrasivität
beschrieben
Zahnbürsten
sind nicht für einen lebenslangen Gebrauch geschaffen, sondern gehören etwa alle
2 Monate gewechselt. Klinische Studien belegen, dass nach 3monatigem normalem
Putzen die Reinigungswirkung um 30 % nachlässt und die Besiedelung mit Keimen
stark zunimmt.
Nach überstandenen entzündlichen Erkrankungen im Mundraum
(z.B. Zahnfleischentzündungen, Grippeerkrankung, Herpes) sollte ein sofortiger
Wechsel oder aber eine gründliche Desinfektion erfolgen.
Borstenindikatoren
auf Farbbasis zeigen rechtzeitig an, wann gewechselt werden
sollte.
Zahnpasta
Zur effektiven Reinigung der Zähne bedarf
es neben einer Bürste auch Zusatzstoffen - sowohl auf chemischer wie auch
mechanischer Basis. Zahnpasten erfüllen diese Forderung in vielfältiger Weise,
wobei es für den Laien schwer ist, Spreu vom Weizen zu trennen - zu vielfältig
und nachhaltig ist die Reklame für ein betreffendes Produkt in den Werbemedien.
• Da die Zahnpasta hauptsächlich dazu dient, die Beläge (Plaque) von der
erreichbaren Zahnoberfläche zu entfernen, werden ihr zur besseren Wirkung dieses
Reinigungsvorgangs wasserbenetzende Mittel (Tenside wie z.B.
Natriumlaurylsulfat) sowie Abrasiv- bzw. Polierstoffe zugefügt.
•
Gleichzeitig dienen die Zahncremen auch als Medikamententräger: Bei den heute
gebräuchlichen Pasten erfolgt eine Anreicherung mit den vor Karies schützenden
Fluoriden (maximal 0,15%, = 1500 ppm; bei Kindercremen 0,05%, = 500 ppm). Diese
Anreicherung ist manchmal nicht unproblematisch, da die Zusatzstoffe mit den
Pastenbestandteilen eine Reaktion eingehen können, und dann im Prinzip
wirkungslos sind.
• Bei den heute auf dem Markt befindlichen
Standardzahnpasten sind derartige Probleme nicht mehr zu erwarten. Achten Sie
aber darauf, ob auch auf der Verpackung steht, was in der Tube drin ist: Denn
seriöse Firmen haben nichts zu verbergen und zeichnen freiwillig aus.
Verpflichtet sind sie dazu nicht, da Zahnpasten nicht zu den Medikamenten,
sondern zu der Gruppe der Kosmetika gehören und hier geht der Gesetzgeber
legerer mit den Inhaltsstoffen um.
• Achten Sie auf den sog. RDA-Wert einer
Paste. Dieser gibt an, wie stark die Creme "schmirgelt". Niedrige Werte sind zu
bevorzugen. Ein hoher Anteil an Schmirgelstoffen oder gar
"Anti-Raucherbelag-Pasten" mögen zwar kurzfristig die Zähne aufhellen, auf Dauer
schädigen sie aber den Zahnschmelz und auch das Zahnfleisch in nicht
unerheblichen Maße. Außerdem ist die Grundzahnfarbe genetisch festgelegt; eine
gewünschte Aufhellung sollte dann lieber mit seriösen Bleichmethoden in einer
Zahnarztpraxis erfolgen.
• Gönnen Sie sich bei ausgeprägten Zahnverfärbungen
lieber ein- bis zweimal im Jahr eine "Professionelle Zahnreinigung", denn
Fachleute wissen besser und vor allem zahnschonender mit diesen Belägen
umzugehen.
• Kinderzahnpasten haben einen niedrigeren Fluoridgehalt und sind
nicht so sehr mit ätherischen Stoffen versetzt, da diese die feinen
Mundschleimhäute zu stark reizen würden. Süße Geschmacksstoffe sind abzulehnen,
da sie zu einem absichtlichen Verschlucken der Paste führen können.
Weitere Hilfsmittel
Zahnzwischenraumbürsten
sind ebenfalls
unter dem Namen "Interdentalbürstchen" bekannt.
Es gibt an den Zähnen große
Bezirke, die nicht von einer normalen Zahnbürste erreicht werden können. Auch
dort befindet sich Zahnbelag, der nur durch eine mechanische Reinigung entfernt
werden kann. Mundspülungen können höchstens eine unterstützende Wirkung
entfalten, aber niemals diese Gebiete reinigen.
Neben der weiter unten
beschrieben Zahnseide und den Zahnhölzchen ("Zahnstocher") eignen sich für diese
sensiblen Bezirke besonders feine und biegsame Bürstchen, da sie - wenn der
entsprechende Platz vorhanden ist - optimal diese Räume reinigen.
Die
Reinigung sollte vor dem eigentlichen Zähneputzen erfolgen - dadurch ist
gewährleistet, dass die gelockerten Beläge auch wirklich ganz entfernt
werden.
Die richtige Größe sollte mit einer IAP Mess-Sonde (Interdental
Access Probing) ermittelt werden, da eine zu kleine Bürste ungenügend reinigt
und eine zu große entweder nicht passt oder Verletzungen bewirkt. Die Bestimmung
der richtigen Größe wird durch den Zahnarzt oder seine Assistentin
durchgeführt.
Unverzichtbar sind Interdentalbürstchen auch dann, wenn
festsitzende kieferorthopädische Geräte getragen werden oder künstliche
Zahnwurzeln ("Implantate") eingepflanzt wurden.
Wie aus nachfolgender
Abbildung ersichtlich, reinigen nur Zahnzwischenraumbürstchen die
Zahnzwischenräume bei nicht im engen Kontakt stehenden Zähnen zuverlässig.
Zahnseide und Zahnhölzer können sich den Krümmungen des Zahnes weniger gut
anpassen und haben so nur eine eingeschränkte Wirkung.
Als optimal wird eine
kombinierte Reinigung mit Zahnseide für den Bereich der Kontaktpunkte und
Zahnzwischenraumbürstchen für den Karies- und Parodontitisanfälligen
Inderdentalraum angesehen.