EXTRANET
 
   
   
Österreichische Liga für Präventivmedizin – ÖLPM

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit
 
 
   

Mundhygiene, Zahnpflege

Ein zu häufiges, aggressives Zähneputzen kann das Auftreten von nicht-kariesbedingten Zahnschäden, z. B. in Form von Abrasionen oder Erosionen, begünstigen. Deshalb empfiehlt die American Dental Association (ADA) lediglich eine zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen bis mittelharten Zahnbürste.
Laut einer Umfrage bei niedergelassenen Zahnärzten glaubt der Großteil der Bevölkerung, je länger und fester die Zähen geputzt würden, umso besser stünde es um die Mundhygiene.
Veraltete Ratschläge und Behauptungen, die in unseren Regionen noch weit verbreitet sind (z. B. „nach jedem Essen Zähneputzen nicht vergessen“) sind in diesen Empfehlungen nicht zu finden. Wenn also diese Empfehlungen modifiziert worden sind, so soll das nicht heißen, dass das Zähneputzen nicht mehr so wichtig sei. Im Gegenteil:

Eine richtige und regelmäßige Mundhygiene ist das A und O für gesunde Zähne bis ins hohe Lebensalter!

Zur regelmäßigen und effektiven Entfernung krankmachender Zahnbeläge gibt es verschiedene Hilfsmittel:
• Zahnbürsten (elektrische, Handzahnbürsten)

• Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume (z.B. Bürstchen, Zahnseide)

Auch unter Experten ist die "richtige Mundhygiene" umstritten. Derzeit herrscht diese Auffassung vor: Man nehme eine Zahnbürste mit gerundeten, nicht zu harten Kunststoffborsten und eine Zahncreme ohne "Weißmacher", aber mit Fluoridzusatz. Diese verteile man in sanften Kreisbewegungen auf den Zähnen. Dann spucke man aus, unterlasse jedoch ein gründliches Spülen, damit die Fluoride nachwirken können. Ergänzend ist Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen vor dem eigentlichen Zähneputzen sehr zu empfehlen, da von diesen Stellen aus viele Zahnfleischerkrankungen ihren Ursprung nehmen und dieser Bereich besonders kariesanfällig ist. Dieser Vorgang sollte zweimal am Tag für jeweils 2-3 (je nach Technik und Effektivität) Minuten erfolgen.

Es gibt verschiedene Zahnputztechniken beim Gebrauch der Handzahnbürste (z.B. nach Bass, Stillmann oder Charters), welche sich im Ansetzen der Zahnbürste und in ihrer Bewegungsrichtung unterscheiden. . Damit alle Zahnbezirke gut gereinigt werden, sollte stets nach einem gleichen Schema vorgegangen werden. Darüber sollten Sie Ihren Zahnarzt befragen, der Ihnen beim Erlernen der richtigen Technik behilflich sein kann.

Da diese Techniken relativ schwer zu erlernen und auf Dauer richtig auszuüben sind, wird heute vermehrt der Gebrauch von elektrischen Zahnbürsten empfohlen.
Zahnbürsten
Handzahnbürsten sollten folgende Merkmale haben:
• Sie sollten einen kurzen Kopf mit weichen Borsten und mit einem geraden, kleinen Borstenfeld haben, um so auch schwer zugängliche Ecken und Winkel zu erreichen.
• Kaufen Sie nicht nach dem Motto "viel Bürste für mein Geld"! Denn gerade unzugängliche Stellen im Mund (Zahninnenseiten der Unterkiefer-Frontzähne und die hinteren Backenzähne) werden mit großen Borstenköpfen nur unzulänglich gereinigt.
• Verwenden Sie Borsten nur aus Kunststoff und mit abgerundeten Enden, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen. Naturborsten haben scharfe Kanten, sind von innen hohl und somit Bakterienträger!
• Beim Anpressdruck auf die Zähne ist weniger mehr; er sollte nur gering sein (~ 150 g; probieren Sie diese Kraft an einer Küchenwaage aus, sie werden sich wundern, wie wenig dies ist!). Ein zu hoher Druck lässt die Büschel verbiegen - dann fehlt die Reinigungswirkung; und freiliegende Zahnhälse werden arg in Mitleidenschaft gezogen und weisen dann die schmerzhaften keilförmigen Defekte auf.
• Bei Nichtgebrauch sollte die Bürste in einem Becher/Glas mit dem Kopf nach oben aufbewahrt werden. Vorher ein paar Mal am Beckenrand aufschlagen, um überflüssige Feuchtigkeit zu entfernen.
• 6mal im Jahr - also alle zwei Monate! - sollte die Bürste spätestens gewechselt werden. Verbrauchte Borsten sind an ihren Enden abgebogen, was bedeutet, dass sie nicht mehr reinigen und zusätzlich noch das Zahnfleisch verletzen.
• Babys und Kleinkinder können mit den normalen Zahnbürsten wenig anfangen, da sie zu groß und unhandlich sind. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine Vielzahl von speziellen Bürsten auf dem Markt, für welche ebenfalls die gleichen Kriterien wie bei den Erwachsenen gelten sollten - Babys erfahren bei ihren ersten Zahnputzversuchen mit einem modifizierten Beißring spielerisch „Zahnhygiene“ (als "Baby's erste Zahnbürste" auf dem Markt).

Elektrische Zahnbürsten
• Zahlreiche Untersuchungen zeigen eindeutig die Überlegenheit von elektrischen Bürsten (besonders die Schallzahnbürsten) gegenüber den Handzahnbürsten. Auf dem Verkaufsmarkt haben die Elektrischen seit der Jahrhundertwende die Handzahnbürsten überholt. Durch verschieden-farbige Aufsteckbürsten kann ein Grundmodell für die ganze Familie benutzt werden.

• Elektrische Bürsten nehmen dem Anweder automatisch viele der Bewegungen hinsichtlich einer richtigen Technik ab. Spezielle Anpresskontroller bei den neueren Modellen sorgen auch noch dafür, dass Zähne und Zahnfleisch nicht überstrapaziert werden.
Gerade bei Kindern und Jugendlichen wird auch noch der Spieltrieb unterstütz, was außerordentlich zur Motivation beiträgt.

• Unbefriedigend sind bisher die Folgekosten: Ähnlich den Nachfüllkosten für eine Tintenstrahl-Drucker-Patrone sehen die meisten Hersteller bei den Ersatzborstenköpfen eine lukrative Nebeneinnahme - Preise über 5,- Euro sind nur unter einer ausgeprägt gewinnorientierten Firmenpolitik zu verstehen - vom Herstellungspreis sind sie nicht gerechtfertigt.
Akku-Bürsten machen sich rasch gegenüber rein Batterie-betriebenen bezahlt - zusätzlich wird die Umwelt geschont!


Ultraschallbürsten

Zunehmend tauchen auf dem Markt Hightech-Bürsten - sog. Schallzahnbürsten - auf: Hier schwingt der Borstenkopf mit 30.000 - 40.000 Bewegungen/Minute etwa 10 mal schneller als bei einer normalen elektrischen Zahnbürsten; zusätzlich werden noch 8.800 Seitwärtsbewegungen in der Minute ausgeführt. Derartig hohe Schwingungen haben neben der Reinigungswirkung auch noch positive Effekte auf das Zahnfleisch, indem sie durch "Zellaktivierung" den Ionenaustausch der Wirkstoffe fördern. Auch soll der Zahnpastenschaum durch die hohen Schwingungen besser in unzugängliche Stellen - z.B. die Zahnzwischenräume - eindringen können.
Als weitere Effekte werden
• die deutliche Reduktion von Bakterien, Plaque und Zahnfleischentzündungen bei regelmäßigem Gebrauch und
• die ausgezeichnete Beseitigung von Verfärbungen durch Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Kaffee, Nikotin, Rotwein, Tee) bei geringer Abrasivität
beschrieben
Zahnbürsten sind nicht für einen lebenslangen Gebrauch geschaffen, sondern gehören etwa alle 2 Monate gewechselt. Klinische Studien belegen, dass nach 3monatigem normalem Putzen die Reinigungswirkung um 30 % nachlässt und die Besiedelung mit Keimen stark zunimmt.
Nach überstandenen entzündlichen Erkrankungen im Mundraum (z.B. Zahnfleischentzündungen, Grippeerkrankung, Herpes) sollte ein sofortiger Wechsel oder aber eine gründliche Desinfektion erfolgen.
Borstenindikatoren auf Farbbasis zeigen rechtzeitig an, wann gewechselt werden sollte.

Zahnpasta

Zur effektiven Reinigung der Zähne bedarf es neben einer Bürste auch Zusatzstoffen - sowohl auf chemischer wie auch mechanischer Basis. Zahnpasten erfüllen diese Forderung in vielfältiger Weise, wobei es für den Laien schwer ist, Spreu vom Weizen zu trennen - zu vielfältig und nachhaltig ist die Reklame für ein betreffendes Produkt in den Werbemedien.
• Da die Zahnpasta hauptsächlich dazu dient, die Beläge (Plaque) von der erreichbaren Zahnoberfläche zu entfernen, werden ihr zur besseren Wirkung dieses Reinigungsvorgangs wasserbenetzende Mittel (Tenside wie z.B. Natriumlaurylsulfat) sowie Abrasiv- bzw. Polierstoffe zugefügt.
• Gleichzeitig dienen die Zahncremen auch als Medikamententräger: Bei den heute gebräuchlichen Pasten erfolgt eine Anreicherung mit den vor Karies schützenden Fluoriden (maximal 0,15%, = 1500 ppm; bei Kindercremen 0,05%, = 500 ppm). Diese Anreicherung ist manchmal nicht unproblematisch, da die Zusatzstoffe mit den Pastenbestandteilen eine Reaktion eingehen können, und dann im Prinzip wirkungslos sind.
• Bei den heute auf dem Markt befindlichen Standardzahnpasten sind derartige Probleme nicht mehr zu erwarten. Achten Sie aber darauf, ob auch auf der Verpackung steht, was in der Tube drin ist: Denn seriöse Firmen haben nichts zu verbergen und zeichnen freiwillig aus. Verpflichtet sind sie dazu nicht, da Zahnpasten nicht zu den Medikamenten, sondern zu der Gruppe der Kosmetika gehören und hier geht der Gesetzgeber legerer mit den Inhaltsstoffen um.
• Achten Sie auf den sog. RDA-Wert einer Paste. Dieser gibt an, wie stark die Creme "schmirgelt". Niedrige Werte sind zu bevorzugen. Ein hoher Anteil an Schmirgelstoffen oder gar "Anti-Raucherbelag-Pasten" mögen zwar kurzfristig die Zähne aufhellen, auf Dauer schädigen sie aber den Zahnschmelz und auch das Zahnfleisch in nicht unerheblichen Maße. Außerdem ist die Grundzahnfarbe genetisch festgelegt; eine gewünschte Aufhellung sollte dann lieber mit seriösen Bleichmethoden in einer Zahnarztpraxis erfolgen.
• Gönnen Sie sich bei ausgeprägten Zahnverfärbungen lieber ein- bis zweimal im Jahr eine "Professionelle Zahnreinigung", denn Fachleute wissen besser und vor allem zahnschonender mit diesen Belägen umzugehen.
• Kinderzahnpasten haben einen niedrigeren Fluoridgehalt und sind nicht so sehr mit ätherischen Stoffen versetzt, da diese die feinen Mundschleimhäute zu stark reizen würden. Süße Geschmacksstoffe sind abzulehnen, da sie zu einem absichtlichen Verschlucken der Paste führen können.

Weitere Hilfsmittel
Zahnzwischenraumbürsten

sind ebenfalls unter dem Namen "Interdentalbürstchen" bekannt.
Es gibt an den Zähnen große Bezirke, die nicht von einer normalen Zahnbürste erreicht werden können. Auch dort befindet sich Zahnbelag, der nur durch eine mechanische Reinigung entfernt werden kann. Mundspülungen können höchstens eine unterstützende Wirkung entfalten, aber niemals diese Gebiete reinigen.

Neben der weiter unten beschrieben Zahnseide und den Zahnhölzchen ("Zahnstocher") eignen sich für diese sensiblen Bezirke besonders feine und biegsame Bürstchen, da sie - wenn der entsprechende Platz vorhanden ist - optimal diese Räume reinigen.
Die Reinigung sollte vor dem eigentlichen Zähneputzen erfolgen - dadurch ist gewährleistet, dass die gelockerten Beläge auch wirklich ganz entfernt werden.
Die richtige Größe sollte mit einer IAP Mess-Sonde (Interdental Access Probing) ermittelt werden, da eine zu kleine Bürste ungenügend reinigt und eine zu große entweder nicht passt oder Verletzungen bewirkt. Die Bestimmung der richtigen Größe wird durch den Zahnarzt oder seine Assistentin durchgeführt.
Unverzichtbar sind Interdentalbürstchen auch dann, wenn festsitzende kieferorthopädische Geräte getragen werden oder künstliche Zahnwurzeln ("Implantate") eingepflanzt wurden.

Wie aus nachfolgender Abbildung ersichtlich, reinigen nur Zahnzwischenraumbürstchen die Zahnzwischenräume bei nicht im engen Kontakt stehenden Zähnen zuverlässig. Zahnseide und Zahnhölzer können sich den Krümmungen des Zahnes weniger gut anpassen und haben so nur eine eingeschränkte Wirkung.
Als optimal wird eine kombinierte Reinigung mit Zahnseide für den Bereich der Kontaktpunkte und Zahnzwischenraumbürstchen für den Karies- und Parodontitisanfälligen Inderdentalraum angesehen.
   
 
ÖGK für Gesundheit GmbH | Vereinigung zur Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung |
Borromäumstrasse 12 | A-5020 Salzburg | Tel: +43 (0) 662/632940 | Fax: +43 (0) 662/641516