EXTRANET
 
   
   
Österreichische Liga für Präventivmedizin – ÖLPM

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit
 
 
   

Zahn- und Zahnfleischerkrankungen

Die Zahnfäule, oder auch umgangssprachlich "Loch im Zahn", beschreibt die Zerstörung der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) und im Spätstadium den Angriff auf den Zahnnerv. Karies ist bakteriell bedingt und eine der häufigsten "Infektionskrankheiten" des menschl. Körpers; weit über 95% der Europäer sind davon befallen. Vier von fünf Menschen weltweit hatten oder haben Karies. Dazu zählen 60 bis 90 Prozent aller Schulkinder und die meisten Erwachsenen.

Das stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2004) in einem Bericht über Mundkrankheiten fest, in dem sie auch auf die Zahngesundheit in den Entwicklungsländern eingeht. Mit den veränderten Essgewohnheiten dringe Karies von den Industrieländern auch in die Entwicklungsländer vor. Die Behandlung der Zahnkrankheit könne aber in vielen Entwicklungsländern kaum bezahlt werden. Zudem gibt es in Afrika laut WHO nur einen Zahnarzt auf 150.000 Einwohner im Vergleich zu 2.000 Einwohner je Arzt in vielen Industrieländern.

Karies ist ein überwiegend von Milchsäure produzierenden Bakterien verursachter Entkalkungsprozess.

Karies bedeutet eine Zerstörung der Zahnhartsubstanz durch Stoffwechselprodukte dieser Bakterien, die sich auf der Zahnschmelzoberfläche in einer Plaquematrix (Biofilm) anlagern. Aus nahrungsbedingten Kohlenhydraten bilden diese Bakterien Säuren, die zu einem Absinken des pH-Wertes unter die für Schmelz (pH 5,5–5,7) und Dentin (pH 6,3–6,5) kritische Grenze führen mit der Folge, dass die Schmelzoberfläche zunächst chemisch verändert wird und schließlich in Lösung geht. Der Zahnschmelz wird demineralisiert, und es können verstärkt Bakterien und deren Stoffwechselprodukte in tiefere Dentinschichten eindringen.

Es steht somit fest, dass es ohne Kohlehydrate und Bakterien - vornehmlich dem Bakterium Streptococcus mutans - keine Karies gibt. Dabei gilt die Milchsäurefreisetzung als aussagekräftige Messgröße für das Kariespotential, denn nicht die Zahl einzelner Bakterienarten, sondern deren Stoffwechselaktivität ist entscheidend für den Verlauf des Kariesprozesses.

1.) intakter Schmelz
2.) beginnende Karies (Initialkaries, White Spot)
3.) die Karies hat sich festgesetzt - eine natürliche Ausheilung ist nicht mehr möglich
4.) Am Rand der Füllung (Amalgam) hat sich eine neue Karies gebildet (Sekundärkaries)
5.) Weit fortgeschrittene Karies (Caries profunda). Der Zahn ist meist nur noch durch eine Wurzelkanalbehandlung zu retten
6.) der Zahn ist abgebrochen - u.U. noch durch eine Wurzelkanalbehandlung zu retten. Bei der erkennbar schlechten Mundhygiene wird sicherlich eine Entfernung das Mittel der Wahl sein, falls prophylaktische Maßnahmen erfolglos bleiben.

Parodontitis

Zahnbettentzündung, umgangsspr. "Parodontose"
Es handelt sich bei allen entzündlichen Formen der Paradontose um eine chronisch bakterielle Entzündung, die Zahnfleisch und Stützgewebe angreift und so den Zahn in seiner Verankerung schwächt bzw. aus dieser löst.

Die Verursacher dieser Erkrankung sind neben den Markerkeimen wie z.B. Bacteroides, Prevotella, Porphyromonas und Actinobacillus auch Pilze (z.B. Hefen wie Candida). Der Krankheitsverlauf ist jedoch nicht zwingend vorgegeben, sondern neben sorgfältiger Mundhygiene abhängig von der Veranlagung (Disposition) des Patienten. So kann die gleiche Bakterienmenge - je nach Entzündungsneigung des Patienten - ganz unterschiedliche Schweregrade einer Parodonditis hervorrufen.

Die Paradontitis ist Ausdruck einer gestörten Wechselbeziehung zwischen der natürlichen Keimbesiedlung der Mundhöhle ("orale Flora") und der angeborenen (unspezifischen) Immunität des Organismus, da bekannt ist, dass z.B. auch bei gesunden Patienten (fast) alle eine Paradontitis verursachenden Keime vorhanden sein können, ohne dass eine Zahnbettentzündung entsteht. Äußere Einflüsse - z.B. Stress, Nikotinabusus, Medikamente - verstärken die Möglichkeit der Verschlimmerung.

Ursachen und Verlauf der Paradontitis:
Bekannt ist, dass Zahnbetterkrankungen unterschiedlich schnell verlaufen und auch der Zahnverlust individuell verschieden ist - Störungen des Bisses scheinen für eine Paradontitis keine so große Bedeutung zu haben - jedoch kann eine Progression verstärkt werden. Ein weiteres Risiko ist der versteckte Verlauf parodontaler Erkrankungen: Viele Entzündungen entziehen sich der visuellen Betrachtung. Eine exakte und sichere parodontale Untersuchung muss mit einer Sonde erfolgen und gegebenenfalls durch eine Röntgenaufnahme unterstützt werden.
Bei Patienten mit aggressiver Paradontitis ist eine mikrobiologische Untersuchung der in der Zahnfleischtasche liegenden Plaque notwendig.

Supragingivaler Zahnstein spielt im Rahmen der Ätiologie einer Parodontitis eine entscheidende Rolle. Probleme verursacht er hauptsächlich als Hygienehindernis aufgrund seiner plaque-retentiven porösen Oberfläche und der Verblockung interdentaler Schmutznischen. Sein direkter Kontakt mit dem Zahnfleischsaum scheint Entzündung und gingivale Rezession zu fördern.

Supragingivaler Zahnstein ist aber auch von Lakunen und Kanälen durchzogen. In diesen unmineralisierten Bereichen besteht ein großes Reservoir für Bakterien, welche darin ideale Wachstumsbedingungen finden: Feucht, warm und Nahrung im Überfluss. Durch gute Mundhygiene, insbesondere den häufigen Einsatz von Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen zur Reinigung der Zahnzwischenräume, lässt sich das Risiko einer Parodontitis deutlich verringern.
Bei Grunderkrankungen wie Diabetes, aber auch in Phasen reduzierter Immunabwehr, etwa bei einem Schnupfen, ist das Risiko, dass sich einige der rund 500 bisher identifizierten Bakterienarten der Mundhöhle massiv vermehren, besonders groß.
Rauchen begünstigt ebenfalls den Plaquebefall und damit eine Parodontitis.
   
 
ÖGK für Gesundheit GmbH | Vereinigung zur Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung |
Borromäumstrasse 12 | A-5020 Salzburg | Tel: +43 (0) 662/632940 | Fax: +43 (0) 662/641516