Passivrauchen - ein unterschätztes Risiko
Bereits 30 Minuten Passivrauchen richten nachweisbaren Schaden an – so eine aktuelle Studie. Auch bei jungen, gesunden Menschen kann Passivrauchen zu chronischen Folgen führen.
Rund 4.800 Substanzen sind im Zigarettenrauch enthalten; 70 davon gelten als krebserregend. Weiters kann Rauchen zu einer Schädigung der Blutgefäße, zur Verklumpung des Blutes und zu verminderter Durchblutung vor allem des Herzmuskels führen.
Die in Tabak enthaltenen schädlichen Substanzen befinden sich aber nicht nur im Rauch, den man inhaliert, sondern auch im Rauch, der von Rauchern ausgeatmet und von anderen eingeatmet wird. Passivrauchen – also das unfreiwillige Einatmen von tabakrauchhaltiger Luft – ist deshalb für viele schwere, teils tödliche Erkrankungen verantwortlich. Dazu zählen u. a. akute Herzinfarkte, Krebserkrankungen, Raucherhusten, lebensbedrohliche Asthmaanfälle und der frühe Kindstod. Passivrauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko bei Nichtrauchern um 20 bis 30 Prozent, das Risiko von Erkrankungen der Herzkranzgefäße um 25 bis 30 Prozent. Insgesamt tötet Passivrauchen in der EU jährlich 80.000 Menschen. Wie schnell der Organismus allerdings durch Passivrauchen Schaden nimmt, wurde bisher unterschätzt. Eine kalifornische Studie hat jetzt gezeigt, dass dauerhafte gesundheitliche Schäden schon dann entstehen, wenn der menschliche Organismus nur 30 Minuten lang dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt ist: Sowohl Gefäßschädigungen als auch eine Beeinträchtigung der Regenerationsfähigkeit konnten festgestellt werden; bestimmte Zellen, die bei der Reparatur beschädigter Gefäßzellen beteiligt sind, wurden durch das Passivrauchen quasi außer Gefecht gesetzt. „Studien haben auch ergeben, dass Herz-Kreislauferkrankungen durch Passivrauchen um ganze 30 Prozent ansteigen“, so Gerald Maurer, Vorstand der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität Wien. "Besonders gefährdet durch Passivrauchen sind ältere Menschen und Menschen mit einer Vorerkrankung des Herzkreislaufes. Das ‚Mitrauchen’ kann akut einen Infarkt auslösen, aber auch bei jungen, gesunden Menschen zu chronischen Folgen führen.“ Kinder, die Passivrauch ausgesetzt werden, neigen u. a. zu Irritationen der Schleimhäute, Halsentzündungen, Kopfschmerzen und Mittelohrentzündungen. Bei Kindern mit Asthma bronchiale verschlechtert eine passive Rauchbelastung nachweislich den Krankheitsverlauf.
Restaurants und Bars ohne Nichtraucherschutz stellen somit selbst bei einem kurzen Besuch ein Gesundheitsrisiko dar. Dies gilt umso mehr für Arbeitsplätze, an denen Nichtraucher und Raucher nicht räumlich getrennt sind bzw. das Rauchen in Kantinen und Gemeinschaftsräumen gestattet ist. In Österreich ist die Nikotinbelastung in Restaurants, aber auch in Discos, Spitälern, Schulen und Universitäten häufig um ein Vielfaches höher als in anderen Ländern. Das ergab eine zwischen 2004 und 2006 durchgeführte europaweite Studie über die Nikotinbelastung der Atemluft an verschiedenen Orten. Dementsprechend sei es laut Maurer unverantwortlich, dass die neue Gesetzgebung in Österreich weit hinter den anderen europäischen Ländern hinterherhinkt. In Ländern mit Rauchverboten wie etwa den USA, Italien oder Schottland sei beispielsweise ein signifikanter Rückgang an Herzinfarkten nach Einführung des Verbots nachgewiesen worden. Werden diese Ergebnisse auf Österreich umgelegt, könnten 1.000 Herzinfarkte pro Jahr durch ein absolutes Rauchverbot vermieden werden, so Maurer.