Schwangerschaftsdiabetes: bereits jede 15. Schwangere betroffen
Ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes haben Frauen mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes in der Familie oder einer starken Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. Ein einfacher Zuckerbelastungstest zwischen 24. und 28. Schwangerschaftswoche zeigt, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.
Schwangerschaftsdiabetes ist eine besondere Form der Zuckerkrankheit, die nur in der Schwangerschaft auftritt und meistens auch danach wieder verschwindet. Ursache für die Erkrankung ist ein erhöhter Bedarf an Insulin während der Schwangerschaft, einerseits bedingt durch den Fötus selbst, andererseits bedingt durch die Schwangerschaftshormone. Kann die Bauchspeicheldrüse diesen erhöhten Insulinbedarf nicht ausgleichen, entsteht Schwangerschaftsdiabetes. Und das geschieht immer häufiger: Bereits jede 15. Schwangere entwickelt hierzulande einen Schwangerschaftsdiabetes. Übergewicht, Typ-2-Diabetes in der Familiengeschichte sowie starke Gewichtszunahmen während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko.
Risiko für Mutter und Kind
In letzter Zeit beobachtet man immer öfter, dass sich der Schwangerschaftsdiabetes zwar anfangs zurückbildet, die Mutter aber später einen Typ-2-Diabetes entwickelt. „Das Risiko dafür liegt mittlerweile bereits bei 50–80 Prozent, was sich auch anhand von aufeinander folgenden Schwangerschaften zeigen lässt“, so Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer von der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III. „Immer öfter wird bei Frauen, die in einer Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, in der darauf folgenden Schwangerschaft ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert.“
Doch wie reagiert der Fötus auf den Schwangerschaftsdiabetes?
Durch das fehlende Insulin befindet sich mehr Zucker im Blut. Dieser erhöhte Blutzucker wird über die Plazenta auch an den Fötus weitergegeben, der daraufhin selbst mehr Insulin produziert. „Das kann dazu führen, dass das Baby übermäßig groß wird und Geburtsverletzungen auftreten“, berichtet Prof. Kautzky-Willer. In seltenen Fällen stirbt der Fötus sogar im Mutterleib ab. Nach der Geburt leiden manche Babys, bedingt durch den Schwangerschaftsdiabetes, an Atemstörungen oder Gelbsucht. Studien zeigen außerdem, dass Kinder, deren Mütter Schwangerschaftsdiabetes hatten, später selbst eher an Diabetes erkranken bzw. zu Übergewicht neigen.
Dabei wäre Schwangerschaftsdiabetes einfach zu behandeln. „Das Problem ist nicht die Therapie, sondern die Diagnose“, sagt Prof. Kautzky-Willer. Denn da die Erkrankung meistens ohne Symptome verläuft, wird sie zu selten erkannt. Nur wenige Frauen bemerken einen immer stärker werdenden Durst und eine ungewöhnliche Müdigkeit.
Um Schwangerschaftsdiabetes zu diagnostizieren, führt man zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche einen so genannten Zuckerbelastungstest durch. Bei diesem Test wird der Blutzuckerwert vor und nach dem Trinken einer Zuckerlösung bestimmt, was eine einfache Diagnose ermöglicht. Wird ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, sollte man Diät halten, zuckerhaltige Speisen vermeiden und – so die Schwangerschaft komplikationslos verläuft – sich viel bewegen. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind wichtig, da ab bestimmten Grenzwerten eine Insulintherapie notwendig ist.
Therapie senkt Risiko für Komplikation drastisch
Dass sich Schwangerschaftskomplikationen durch die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes vermeiden lassen, hat eine Wiener Studie gezeigt: Die rechtzeitige Diagnose und Therapie senken das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wieder auf das Niveau gesunder Frauen. Da der Zuckerbelastungstest derzeit (noch) nicht im Mutter-Kind-Pass vorgesehen ist, sollten sich schwangere Frauen bei ihrem behandelnden Arzt nach ihrem persönlichen Risiko erkundigen. Immerhin bedeutet ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes ein drei- bis vierfach höheres Risiko für schwere kindliche Komplikationen, die durch den Test einfach zu vermeiden wären.